Idee eines jüdischen nationalen Staates auf sowjetischem Territorium

Zweisprachiges Ortseingangsschild in Birobidschan Foto Wikipedia - Alexey Lifewatch

Zweisprachiges Ortseingangsschild in Birobidschan – Foto Wikipedia – Alexey Lifewatch

 Unter Stalins Regime war die Idee eines jüdischen nationalen Staates auf sowjetischem Territorium entstanden, und 1934 wurde fernab von Moskau nahe der chinesischen Grenze das »Jüdische Autonome Gebiet« ausgerufen, besser bekannt unter dem Namen seiner Hauptstadt Birobidshan. Dort sollte sich der »heiße Wunsch des jüdischen Volkes nach einer Heimat« erfüllen: Jiddisch war neben Russisch zweite Amtssprache, es gab jiddische Tageszeitungen und Verlage und ein jiddisches Theater.

Mit dem Birobidshan-Projekt verfolgte die Sowjetregierung gleich mehrere Ziele: Es war Teil des Industrialisierungs- und Erschließungsprogramms der Fünfjahrespläne. Die Konzentrierung der Juden in Fernost sollte den Aufbau jüdischer Siedlungen in den europäischen Sowjetrepubliken verhindern. Das unwirtliche Gebiet in fruchtbaren Boden zu verwandeln, stellte eine Alternative zum zionistischen Modell Palästina dar. Zudem stärkte Birobidshan die strategische Machtposition der UdSSR im Fernen Osten gegenüber China und Japan.

Das so ehrgeizige wie absurde Vorhaben ist im Laufe der Jahrzehnte mehrfach gescheitert. Doch die Geschichte dieser jüdischen Enklave sollte nicht vergessen bleiben. Der Band schildert ihren wechselvollen Verlauf und enthält eine Fülle bisher unveröffentlichten Materials aus russischen Archiven.

Die FAZ schreib dazu 2004:

Es entstanden jiddische Tageszeitungen, Verlage und Theater. Prominente Persönlichkeiten in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, unter ihnen Albert Einstein, unterstützten das Projekt publizistisch und finanziell, auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch 1948 scheiterte die Wiederbelebung des Birobidshan-Projekts. In der Befürchtung, daß die sowjetischen Juden sich nach Gründung des Staates Israel politisch illoyal verhalten würden, lancierte Stalins Regime eine antisemitische Kampagne, die jede kulturelle Selbständigkeit der Juden in der Sowjetunion konterkarierte. Jüdische Intellektuelle wurden fortan als „entwurzelte Kosmopoliten“ und „Lakaien der westlichen bourgeoisen Kultur“ geschmäht und verfolgt. Die antijüdische Politik am Ende der Stalin-Ära versetzte dem Birobidshan-Experiment den Todesstoß.

In der Stadt erscheint u. a. seit 1930 täglich außer am Samstag und Sonntag die jiddischsprachige Zeitung Birobidschaner Schtern, früher in zwei Ausgaben in russischer und jiddischer Sprache, seit einigen Jahren nur noch als zweisprachige Ausgabe.[3] Sie gehört zu den rund 100 jiddischsprachigen Medien weltweit. Während der Sowjetzeit wurde eine Zeitschrift herausgegeben, die sich Najlebn (= „Neuleben“ bzw. „Neuanfang“) nannte und neue Siedler anlocken sollte. In Najlebn wurden u. a. Gedichte von Olexander Bejderman veröffentlicht. In Birobidschan wird auch ein Radioprogramm auf Jiddisch ausgestrahlt. Quelle

Aufgrund der Emigration von Juden nach Israel und Europa leben nur noch wenige Juden in Birobidschan.[4] In Schulen wird neben Russisch auch in Jiddisch unterrichtet. Die dort noch lebenden Juden gaben bei einer Umfrage, warum sie Jiddisch lernen wollen, an, dass dies die Sprache ihrer Ahnen sei und dass diese bewahrt werden müsse. Dennoch gaben über 80 % Russisch als ihre Muttersprache an. Das jüdische Kammermusiktheater und ein jiddisches Theater haben sich bis heute erhalten.[5] Die Menschen in Birobidschan leben vorwiegend von der Landwirtschaft und von der Arbeit in industriellen Betrieben (z. B. Schuh- und Strumpf-Fabriken, Landmaschinenbau Dalselmasch).

 

Advertisements

Über frankenberger10

Haftungsausschluß / Disclaimer: „ICH BEHALTE MIR ALLE RECHTE VOR UNTER UCC 1-308 WITHOUT PREJUDICE , OHNE IRGENDWELCHE NACHTEILE.“ Typisch für dieses Land wurde gerichtlich entschieden, daß man durch die Anbringung eines Verweises die Inhalte der verwiesenen Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, daß man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Dieses Anspruch möchten wir selbstredend hiermit erfüllen und erklären feierlich, dass wir uns von allem, worauf wir verweisen, distanzieren (Hier liegt ja der tiefe Sinn von Verweisen – Vorsicht – Ironie.) Für alle Verweise und Verlinkungen auf unserer Webseite inklusive aller Unterseiten gilt, daß wir keinerlei Einfluß auf die Gestaltung oder die Inhalte der verwiesenen Seiten haben, dafür weder haften noch irgendeine Verantwortung übernehmen können. Sie müssen schon selbst die Verantwortung für Ihren Zeigefinger auf der linken Maustaste übernehmen und natürlich für alles, was Sie dann Schlimmes lesen könnten, was bei unseren Verlinkungen mit Sicherheit nicht der political correctness entspricht. Eventuelle Unpässlichkeiten die durch die Benutzung dieser Datenstraßen beim Auswuchten Ihrer Gehirnwindungen auftreten könnten, bitten wir also tapfer zu tragen oder bei Ihrem Psychiater, sollten Sie diesen haben, zur Sprache zu bringen.

»

  1. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg schien sich die Lage der Juden in der Sowjetunion zunächst zu bessern. Es wurden Gerüchte verbreitet, auf der Halbinsel Krim werde eine „Jüdische Republik“ für Holocaust-Überlebende gegründet, zahlreiche jiddische Bücher wurden neu aufgelegt, die jüdische Ansiedlung in Birobidschan wurde verstärkt, und die Rede von Andrei Gromyko an der UNO-Generalversammlung vom 14. Mai 1947 weckte Hoffnungen auf eine Unterstützung des entstehenden Staates Israel. Doch plötzlich änderte sich das Klima vollständig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Russland#Transit_der_Juden_aus_Polen_nach_Japan

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s