Das ist schon ein paar Jährchen her – und ich als junger Familienvater mittendrin in

SO36

Ab Kohlfurter Straße war die Admiralstraße besetzt – nicht von #Reichsbürgern, sondern von #Autonomen. Zimperlich waren die nicht und lieferten sich harte Häuserkämpfe und Straßenschlachten mit der Polizei. Auch ich wurde einmal schwer verprügelt, weil ich ein Antifa-Plakat entfernte, das ausgerechnet über Schildern geklebt wurde, welche die Lage der Hydranten anzeigen. Nachts zog die Truppe mit Eisenstangen durch die Admiralstraße und schlug auf die geparkten Fahrzeuge ein. Im neu gebauten Teil der Admiralstraße lebten damals ganz normale Leutchen, die von den Schäden arg getroffen wurden.

Einige Politiker, die sich auf die Seite der gewaltbereiten Hausbesetzer stellten, wohnen noch dort und haben teilweise politische Karriere gemacht.

Aber auch für Hausbesetzer hat es sich gelohnt, denn der Senat gab einigen Mietverträge, um die Lage zu entspannen. Die Häuser verfielen dann schnell, weil die Strategen ja nicht zur Arbeit geboren wurden. Aber nicht alle!

Einige haben die Häuser tatsächlich toll hergerichtet und verfügen heute über Millionenwerte, wenn sich im Laufe der Zeit die Gegend in ein Szeneviertel gewandelt hat.

Das fiel mir gerade wieder ein, weil eine junge Frau bei einem dieser ehemaligen Hauskämpfer Putzfrau ist. Arbeiten braucht dieser Stratege schon lange nicht mehr.

So ändern sich also die Zeiten. Mal sehen, was aus den Gesetzes-Besonderheiten noch entsteht, welche die Reichsbürger ausnutzen möchten, besonders dann, wenn Schulden drücken! So großzügig wie seinerzeit wird die Politik allerdings nicht mehr sein und Miet- oder Kaufverträge für ein „Königreich“ anbieten.

Eine gewisse Realsatire liegt dann aber vor, wenn ich mir linke Zeitungen ansehe, die in Häuserkampfzeiten empor kamen. Deren Berichte über die „Reichsbürger“ sind fast deckungsgleich mit jenen der Springerpresse zu SO36 – Zeiten.

„Jeder Stein, der abgerissen, wird von uns zurückgeschmissen“

So schrieb man damals in einem Flugblatt der Bürgerinitiative SO36:

Nicht überraschend daher, daß versucht wird, durch gezielte Kriminalisierung den Widerstand zu brechen. Und einige wurden auch durch die brutalen Polizeieinsätze, durch die vielen Verletzten und Verhafteten abgeschreckt. Aber für viele bislang noch Unentschlossene ist seit dem 12.12.80 auch klar, daß man zusammen mit  Instandbesetzern den Widerstand verstärken muß, daß man für die Durchsetzung unser aller Interessen kämpfen muß. Und vor allem, daß wir es nicht zulassen dürfen, daß einzelne im Gefängnis einsitzen und andere mit Strafverfahren mundtot gemacht werden sollen. Denn der „Landfrieden“ wurde nicht von uns gebrochen, sondern der war am 12.12. schon längst durch rücksichtslose Eigentümer, Wohnungsbaugesellschaften, Polizeieinsätze und eine verfehlte Sanierungspolitik gebrochen. Wir alle sind gerne zu Gesprächen mit den Politikern bereit. Aber nicht, solange Leute von uns im Gefängnis sitzen.

Chronologie Häuserkampf Berlin 1983/84

01.03.84

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Die Verträge für die Häuser Kohlfurter Str.40/46 sowie Fränkelufer 4/8, die der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GSW gehören, wurde abgeschlossen.
Nach Angaben der Innenverwaltung sind noch 18 Häuser besetzt. Acht davon befinden sich in Schöneberg, sechs in Kreuzberg, je eines in Charlottenburg, Neukölln und Tiergarten.

 

Häuserkampf in Kreuzberg

„Mit dem Schlagstock sozialisiert“

Prügelnde Polizisten, fliegende Pflastersteine, Plünderungen: Vor 30 Jahren tobte die erste große Straßenschlacht in Kreuzberg. Auf einestages erinnert sich Ex-Hausbesetzer Kuno Haberbusch an einen heißen Advent in Berlin – der aus friedlichen Protestlern militante Guerillakrieger machte. weiterlesen

Zehn Stunden lang lieferten sich Polizei und Sympathisanten der Hausbesetzerszene in der Nacht zum 13. Dezember 1980 einen blutigen Kampf. Auch in den Folgetagen flammten die Auseinandersetzungen immer wieder auf. Bei dieser ersten großen Straßenschlacht am Fraenkelufer wurden 270 Menschen verletzt, davon 70 Polizisten. 109 Menschen wurden festgenommen, 28 Haftbefehle erlassen. Zahlreiche Schaufenster gingen zu Bruch, Geschäfte wurden geplündert. Reichsbürger waren damals nicht bekannt. Ich kannte im ganzen SO36 – Kiez nur einen NPD-Anhänger, der damals beim Tagesspiegel arbeitete, als Alkoholiker aber nicht ernst genommen wurde.

Apropos Tagesspiegel. Der titelte 2014 dann

Als die Chaoten Kreuzberg retteten

Ganz nah dran: Ein Fotobuch erinnert an den Häuserkampf der achtziger Jahre – als die Besetzer schlimme Verschandelungen von Kreuzberg verhinderten und den Anstoß zu einer behutsamen Stadterneuerung gaben. Quelle

Die Verschandelung am #Kotti wurde leider nicht verhindert. Immerhin ist das Kottbusser Tor bis heute ein beliebter Aufmarschplatz für Demos und Straßenschlachten. Mit wurde es vor über dreißig Jahren allerdings zuviel, wenn man am nächsten Tag arbeiten muss, sind nächtliche Straßenschlachten eher kontraproduktiv. Wenn ich aber höre, dass ein ehemals besetztes Haus für 10 Millionen verkauft wurde, dann ärgere ich mich schon, dass ich damals gearbeitet und nicht auch ein Haus besetzt habe. In 45 Berufsjahren habe ich nicht annähernd 10 Millionen verdient.

(Evtl. sollte man die von den Reichsbürgern aufgedeckten Gesetzeslücken checken – nicht dass mir nochmal leichte Verdienstmöglichkeit entgeht 😉 )

Apropos Verdienst: Vielen Dank für Deine Unterstützung – Häuserkampf wäre in meinem Alter auch nichts mehr!

Berliner Häuserkampf – Utopie und Krawall

Sie nannten sich „Instand(be)setzer“. Anfang der achtziger Jahre annektierten Hippies, Freaks und Punks mehr als 150 leerstehende Häuser in West-Berlin. Die Stadt wurde zum Mekka für abenteuerlustige Jugendliche – und zum Schauplatz erbitterter Straßenschlachten

Berliner Linie

Die Berliner Linie (seitens des damaligen Berliner Senats auch als „Berliner Linie der Vernunft“ bezeichnet) ist eine Verordnung, nach der besetzte Häuser in Berlin innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Besetzung zu räumen sind. Sie entstand 1981 und wird mittlerweile auch in anderen Städten ähnlich angewandt.

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