QUERDENKEN: Ist Deutschland eine Kastengesellschaft?

tag-der-einheit-foto-pittigliani

Foto pitigliani – Flickr.com

Der unreflektierte Umgang mit dem Konzept „Kaste“ kann problematisch sein. Deshalb soll im Folgenden herausgearbeitet werden, ob nicht auch in der deutschen Gesellschaft Facetten gefunden werden können, die dem in der Alltagssprache verwendeten Konzept der Kasten zuzuordnen sind. Doch wenn selbst unsere eigene Gesellschaft Facetten aufweist, die jenen Grundlagen des Kastenwesens nahekommen, mit dem etwa die indische Gesellschaft beschrieben wird, um sie damit üblicherweise gleichzeitig zu kritisieren, ist es dann nicht an der Zeit, die bisweilen inflationäre Verwendung des Kastenbegriffs grundsätzlich zu überdenken?  Quelle

Wenn man von #Kastengesellschaft in Deutschland spricht, dann kommt schnell Kritik an unserem Schulsystem daher. Die EU rügte im Zuge der PISA-Studien vergangener Jahre immer wieder die ungleichen Chancen.

Ich komme aus einer Kleinstadt in Oberfranken, ehemals Markgrafenstadt, deren Kultur und Gesellschaft über Jahrhunderte von Freimauerern geprägt wurde, ohne dass der kleine Mann dies womöglich bemerkte. Da war dann einfach klar, dass die Söhne bestimmter Strategen durchgereicht wurden – egal wie doof die waren.

Auch nach dem Krieg wurde noch reichlich protegiert – das Apothekersöhnchen hatte quasi einen Freifahrtschein zum Abitur – ohne große Anstrengung!

Aber siehe da – ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass plötzlich auch Arbeiterkinder weit nach vorne kommen konnten – man wollte mehr Demokratie wagen und den „kritischen Bürger“ – die 68er taten ihres dazu!

Bei mir kam die soziale Sperre aus dem eigenen Elternhaus: „Der Jürgen muß unbedingt aufs Gymnasium„, meinte die Lehrerin Frau Stöhr zu meinen Eltern. Worauf mein Vater sofort abwinkte: „Kein Geld“ und überhaupt, „wann bekomme ich denn dann das erste Kostgeld von ihm gezahlt!?“

Aber damals war es tatsächlich noch möglich, etwa mit Realschulabschluss die Zugangsprüfung zum „gehobenen Beamtendienst“ abzulegen – wie gesagt, nicht mittlerer, sondern „gehobener“! Das ist heute so nicht mehr denkbar. Auch konnte man mit Realschule und abgeschlossener Lehre viel machen. In meinem Fall wurde ich zur HdK und Studium „Werbefachwirt“ zugelassen. Heute so auch nicht mehr gangbar.

Über Umwege landete ich aber im Lebensmittelhandel und hatte dann als Filialleiter an acht Kassen vier Lehrerinnen sitzen, die keine Anstellung fanden.

Aber warum erzähle ich das? Weil viele Insider heute meinen, dass ausgerechnet damals die soziale Durchlässigkeit unseres Bildungssystems am größten war, als die EU die Reißleine zog! Viele konnten sich damals auf dem Zweiten Bildungsweg ganz nach oben arbeiten, wie wir heute wissen. Die Beispiele sind bekannt!

Die EU, von Anfang an ein Projekt der Wirtschaft und des Kapitals, roch wohl den Braten: es formierte sich ein ganz neues Bildungsbürgertum, das auf lange Sicht gefährlich werden könnte. Denn nicht alle konnte man lininetreu in das Programm „Building Europe“ einbinden. D.h. dass zu viele Gebildete in die sogenannte „breite Bevölkerung“ einflossen! Gerade für den Kriegsverlierer Deutschland war dies nicht vorgesehen.

Heute kommen noch die Informationsmöglichkeiten des Internets dazu. Das kann gefährlich werden, wenn man zu viele Geheimnisse in schwarzen und gesperrten Akten zu verbergen hat.

Ein Drittel der bürokratischen Hinterlassenschaft der Bundesrepublik ist nicht zugänglich. Das Parlamentarische Kontroll Gremium, das die Geheimniskrämerei eigentlich kontrollieren soll, kritisiert die Vorenthaltung wichtiger Unterlagen immer wieder. Aber wer sitzt hier über dem PKG? Nach 30 Jahren wird Archivgut eigentlich frei – aber wer weiß schon, was bis dahin vernichtet wurde?

Manchmal richtig unglücklich sind Archivare, wenn es um die  „VS“ wie „Verschlusssache“ gestempelten Unterlagen geht. Auch Akten mit dieser und höheren Geheimhaltungsstufen wandern irgendwann in staatliche Archive – doch sie werden bisher nicht freigegeben, wenn nicht die ursprünglich verantwortliche Behörde das genehmigt. Quelle

Noch schwieriger ist die Situation meist bei Geheimdienstakten. Dass etwa der BND über kein richtiges Archiv verfügt, Akten häufig eher zufällig abgelegt wurden, ist für die Unabhängige Historikerkommission ein großes Problem. Gleichzeitig zeigt eine BND-interne Arbeitsgruppe, die Akten in Auswahl publiziert, dass es in den erhaltenen Papieren viel zu entdecken gibt.

Eine regelrechte Taskforce durchkämmt so auch das Web und sorgt dafür, dass es in Verruf kommt: Hass und Hetze würden dort verbreitet – meinen Innenminister und ehem. beauftragte Stasi-Mitarbeiter, wie Kahane!

Das neue Bildungsbürgertum durchzieht ausgerechnet die Mittelschicht, der man alle Lasten aufbürdet und die sich langsam verabschiedet. Sehr ungünstig, wenn immer mehr in der Lage sind zu verstehen, dass sie hinter die Fichte geführt werden.

Was das bedeuten kann, sieht man etwa bei der Impfmüdigkeit. Ausgerechnet das gut informierte Bildungsbürgertum zeigt sich hier „impfmüde“. Allerorten ortet man nun „neue Nazis“: bei den Umweltschützern, bei den TTIP Kritikern und überhaupt überall da, wo die falsche Partei gewählt wird.

Bildungsbürgertum waren früher eher Leute, die auch an ein gewisses Vermögen gebunden waren, also gleichzeitig Besitzbürgertum  – d.h. man hatte einen gesicherten Wohlstand. Heute keine Voraussetzung mehr. Bildungsbürger sind vielmehr auch Kinder und Enkel der ersten Gastarbeiter, die keine Kosten und Mühen gescheut haben, ihre Kinder auf das Gymnasium und zum Studium zu bringen. Da muß ja nicht immer in der Bundespressekonferenz enden, wie bei Frau Chebli, die ja bestes Beispiel für Integration und Aufstieg ist, wenn persönlich auch sehr umstritten.

 

Weil Deutschland keine Bodenschätze habe, sei das Wissen der Bürger unser Kapital – wie oft hörte man das in den Sonntagsreden der Politiker, die nach dem Weckruf der EU wieder alles taten, um die Leute nicht zu schlau werden zu lassen. Gerade in Deutschland könnte das böse enden. Da lauern mehr als peinliche Enthüllungen: etwa dass der SS-Offizier und „Erfinder“ der mobilen Gaskammern Walther Rauff einige Zeit vom BND Geld bekam. Erschlossene Akten werden übrigens dem Bundesarchiv übergeben, zur dauernden Aufbewahrung.

Dass man den Menschen keine Volksmärchen mehr erzählen kann, zeigen die neuesten Wahlergebnisse. Schnell will man Zuwanderern nun die Wahlmöglichkeit geben. Sollte das alles nicht funktionieren, wird das bischen Demokratie schneller abgeschafft sein, als wir alle „GustlMollath“ sagen können?

Schönen Feiertag wünscht JF

 

 

Advertisements

Über frankenberger10

Haftungsausschluß / Disclaimer: „ICH BEHALTE MIR ALLE RECHTE VOR UNTER UCC 1-308 WITHOUT PREJUDICE , OHNE IRGENDWELCHE NACHTEILE.“ Typisch für dieses Land wurde gerichtlich entschieden, daß man durch die Anbringung eines Verweises die Inhalte der verwiesenen Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, daß man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Dieses Anspruch möchten wir selbstredend hiermit erfüllen und erklären feierlich, dass wir uns von allem, worauf wir verweisen, distanzieren (Hier liegt ja der tiefe Sinn von Verweisen – Vorsicht – Ironie.) Für alle Verweise und Verlinkungen auf unserer Webseite inklusive aller Unterseiten gilt, daß wir keinerlei Einfluß auf die Gestaltung oder die Inhalte der verwiesenen Seiten haben, dafür weder haften noch irgendeine Verantwortung übernehmen können. Sie müssen schon selbst die Verantwortung für Ihren Zeigefinger auf der linken Maustaste übernehmen und natürlich für alles, was Sie dann Schlimmes lesen könnten, was bei unseren Verlinkungen mit Sicherheit nicht der political correctness entspricht. Eventuelle Unpässlichkeiten die durch die Benutzung dieser Datenstraßen beim Auswuchten Ihrer Gehirnwindungen auftreten könnten, bitten wir also tapfer zu tragen oder bei Ihrem Psychiater, sollten Sie diesen haben, zur Sprache zu bringen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s