Wenn man im Internet etwa Beiträge des Satiremagazins DER POSTILLON postet, dann kommt gerne die Rückfrage: Ist das Satire?

Etwa die Meldung:

Montag, 9. März 2015

Zu teuer und ineffizient: Regierung stellt umstrittenes Chemtrail-Programm ein

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Berlin (dpo) – Oft wurde es kritisiert, nun steht es vor dem Aus: Die Bundesregierung hat heute angekündigt, das umstrittene Chemtrail-Programmzur Vergiftung der Bevölkerung nach 19 Jahren zum Monatsende einzustellen. Grund seien gestiegene Kosten und mangelnde Effizienz der oft stundenlang am Himmel sichtbaren Chemikalienstreifen, so Bundespressesprecher Steffen Seibert.

Ist das Satire?

 

Is this a Comedy?

 

Der deutsche Humor wird mehr durch Karneval und Fasching abgedeckt

Satirische Zeitschriften hatten bei uns immer ein Nischendasein. PARDON, MAD, EULENSPIEGEL oder TITANIC – die großen Auflagen bringt das nicht. Auch das eigentliche Kabarett hat eher eine gewisses elitäres Klientel angezogen. Einige Kabarettisten haben sich so weit gemein gemacht, dass sie sich bei einer größeren Öffentlichkeit durchsetzen konnten. Auch wenn sich anfangs der Bayerische Rundfunk schon mal „ausgeblendet“ hat.

Der von mir so verehrte Hans-Dieter-Hüsch wurde entsprechend angefeindet:

Nicht links und radikal genug, sei er !

 

Simplicissimus

Der Simplicissimus (deutsch: der Einfältigste) war eine satirische Wochenzeitschrift, die vom 4. April 1896 bis 13. September1944 erschien. Die Redaktion hatte ihren Sitz in München. Die Zeitschrift zielte auf die wilhelminische Politik, die bürgerliche Moral, die Kirchen, die Beamten, Juristen und das Militär.

Wir sehen also, dass Satire durchaus einen Platz in der Geschichte Deutschlands hat.

Scherzbolde wollen nun alte Simplicissimus-Texte modernisieren und im Web verteilen – als Köder für die Internet-Sheriffs von Bertelsmann !

Staatliche Zensur spielte in der Geschichte des Simplicissimus immer wieder eine Rolle. Sie gab der Ausrichtung und Entwicklung des Blattes entscheidende Impulse:

„Einen ersten Schub der Politisierung seiner Zeitschrift erreichte Langen mit der aus heutiger Sicht sehr zurückhaltenden Entscheidung, in Heft 4 des ersten Jahrgangs Gedichte des zwanzig Jahre früher verstorbenen Schriftstellers Georg Herwegh abzudrucken. Dieser zählte zu den Wortführern einer Demokratisierung Deutschlands in der Revolution von 1848 und später zu den Begründern des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, dem Vorgänger der SPD; er war also dezidiert gegen die Monarchie eingestellt. In Österreich, wo der Simplicissimus von Beginn an auch vertrieben wurde, war er anscheinend so sehr „persona non grata“, dass die Ausgabe verboten und angeblich von der Polizei sogar beschlagnahmt wurde. Über diese Vorgänge sind wir vor allem durch die Berichterstattung desSimplicissimus selbst informiert, denn Redaktion und Herausgeber erkannten sofort, dass sich mit dieser Gegenreaktion der Obrigkeit die beste Werbung machen ließ.“[5]

Einschneidend war dann die Konfiskation der so genannten Palästina-Nummer, Heft 31 im dritten Jahrgang, vom 29. Oktober 1898 und die des folgenden Heftes.[6] Das Titelbild der Palästina-Nummer zeigt eine eher harmlos erscheinende Karikatur Heines mit den Kreuzrittern Gottfried von Bouillon und Friedrich Barbarossa, die auf die Darstellung von Kaiser Wilhelm II. dezidiert verzichtet.

Erheblich bissiger war ein Spottgedicht Frank Wedekinds anlässlich der Reise des Kaisers nach Palästina. Im Vorfeld dieser Aktion hatte es in Preußen Beschlagnahmungen anderer Ausgaben des Simplicissimus gegeben, so dass nun wohl endgültig ein Exempel statuiert werden sollte. Langen, der nach der Beschlagnahmung ins Ausland floh, Wedekind, der zuerst floh und sich dann der Justiz stellte und

Heine wurden wegen Majestätsbeleidigung angeklagt.

Heine und Wedekind mussten Haftstrafen absitzen. Langen lebte fünf Jahre im Exil in Frankreich, Norwegen und der Schweiz, um einer Verhaftung zu entgehen, und musste die Verlagsgeschäfte mit Hilfe von Korfiz Holm aus der Entfernung führen. Erst nach Zahlung einer „Kompensation“ von 30.000 Mark wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.[7]

Gerade die prominenten Bildbeiträge der Titel- und der Rückseite griffen seit 1898 immer mehr tagespolitische Ereignisse auf. Die Beschlagnahmung und der spektakuläre Prozess führten nur dazu, dass die Redaktion diese Tendenz verstärkte und aus der Zeitschrift nun das politische Satireblatt wurde, wie man es heute kennt.

Deutsches Kabarett-Archiv

Kabarett – in Deutschland relativ unbekannt! Glauben sie nicht? Dann lohnt ein Besuch im  Deutschen Kabarett Archiv. Auf mehr als tausend Quadratmetern an zwei Standorten unterhält das Archiv eine umfassende Bibliothek, Disko- und Videothek, Plakat-, Noten- und Zeitschriftensammlungen. Archivalien wie Typo- und Manuskripte, Pressekritiken, Fotos, Programmhefte, Text- und Regiebücher, Handschriften, Urkunden, Briefwechsel, Szenenbilder, Entwürfe und Abhandlungen finden sich in über dreitausend Ordnern und werden fortlaufend ergänzt.

Ab dem Jahr 1901 werden sämtliche Kabaretts und kabarettistischen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum fortlaufend archivarisch erfasst und wissenschaftlich erschlossen. Das Gleiche gilt ab 1881 für die französischen Vorläufer. Darüber hinaus werden sämtliche Aktivitäten im Bereich des Chansons (Liedermacher) und des politischen Liedes erfasst.

Zum Bestand gehört eine Bibliothek mit rund 20.000 Bänden und 86 Ordnern Noten. Daneben sind rund 10.000 analoge Tonträger (Tonbänder, LPs, MCs) sowie rund 200 digitale Ton- und Datenträger (CD-ROMs, CDs, DVDs) vorhanden. Zum Bestand zählen zudem rund 2.000 AV-Medien.

Das Plakat-Archiv enthält rund 4.000 Plakate. 250 Originalkarikaturen, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Handschriften, Urkunden, Text- und Regiebücher, Pressestimmen, Szenenbilder, Programmhefte sowie die dokumentarischen Gesamtnachlässe von Werner Finck, Trude Hesterberg, Irene de Noiret, Jürgen von Manger und anderen Kabarettisten befinden sich ebenfalls im Archiv.

Wenn Menschen kein Geschichtsbewusstsein haben, und die Gesellschaft leidet darunter, haben sie auch kein Kunstgeschichtsbewusstsein. Also auch kein Kleinkunstgeschichtsbewusstsein.

Werner Schneyder

Eulenspiegel (Satirezeitschrift 1848–1853)

Der Eulenspiegel mit dem Untertitel „Ein Volks-, Witz- und Carricaturen-Blatt“ war eine deutsche Satirezeitschrift, die zwischen Januar 1848 und Juni 1853 erschien.

„Michel und seine Kappe im Jahre 48“ ist eine heute häufig abgedruckte Karikatur zur immer passiver werdenden Haltung des deutschen Bürgertums während der Revolution von 1848/49 aus dem Eulenspiegel

Die demokratisch ausgerichtete Zeitschrift wurde von Ludwig Pfau herausgegeben. Das Blatt erschien ihm Stuttgarter Verlag E. Greiner. Die Zeitschrift erschien monatlich und kostete zwischen 1849 bis 1851 13 Kreuzer pro Ausgabe.[1] Pfau hatte damit vollen Erfolg, da er zum rechten Zeitpunkt die Aufbruchsstimmung zu Einheit und Freiheit aufgriff, welche als Forderung der Studenten und des liberalen Bürgertums seit 1815 nun durch das Volk durchgesetzt wurde.

Eulenspiegel (Satirezeitschrift 1928–1933)

Am 1. April 1928 war die erste Nummer des „Eulenspiegels“ in der „Eulenspiegel-Verlagsgesellschaft“ erschienen, ab Heft 10/1929 wurde die Zeitschrift vom „Neuen Deutschen Verlag“, der zu Willi Münzenbergs Zeitungskonzern gehörte, veröffentlicht.

Münzenbergs erklärtes Ziel war es, bürgerlichen Pressekonzernen wie Ullstein, Mosse und Hugenberg ein kommunistisches Gegengewicht zur Seite zu stellen. Die Zugehörigkeit zum Münzenberg-Konzern ermöglichte es dem „Eulenspiegel“ beispielsweise, Auszüge aus anderen Zeitschriften des Konzerns oder Teil- und Vorabdrucke aus den Buchproduktionen des „Neuen deutschen Verlags“ und der „Universumsbücherei“ zu veröffentlichen. Werbung wurde vor allem für Münzenberg-Produkte gemacht. Der „Eulenspiegel“ war somit finanziell abgesichert, ohne in Abhängigkeit von einem beeinflussenden Anzeigenmarkt zu geraten.

Als Herausgeber und Redaktionsleiter des Monatsheftes fungierte der Berliner Maler Otto Nagel; für die Textbeiträge zeichnete vom zweiten Heft bis zu seinem Tod im Dezember 1929 der Journalist Bruno W. Reimann verantwortlich. Danach übernahm Nagel auch Reimanns Part.

ZDF Satire DIE ANSTALT

Möchte man heute „pikante Themen“ unter das Volk bringen, so greife man vorsichtshalber wieder auf die Vortragsform „Kabarett“ zu. Der nachfolgende Beitrag ist mir ein Rätsel, wurde doch Xavier Naidoo mit ähnlichen Äußerungen übelst abgewatscht.

Oder hat die ANSTALT hier ganz offiziell eine „Stakeholder-Funktion“ wahrgenommen?

 

Zum Schluß noch ein besonderes SATIRE-Schmankerl

Da schließt sich dann der Bogen zwischen Kabarett, Satire und Realsatire:

 

Zensur WIKI „SATIRE“

Karikatur zum Tarifstreit in der Metallindustrie, 1966

Das „Schwäbische Tageblatt“ hatte 1966 eine Karikatur zur Mitbestimmung abgedruckt, auf der die Arbeitnehmer als Esel dargestellt waren. Nach wütenden Protesten von Arbeitern und Gewerkschaftsfunktionären entschuldigte sich die Zeitung: „das erträgliche Maß einer pointierten Aussage (sei) überschritten“. (Spiegel 9 1966)

Viele weitere Beispiele findet man dazu im ZENSUR WIKI SATIRE 
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Über frankenberger10

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Eine Antwort »

  1. #Böhmermann – geh du voran !

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