Publizist und „Elder Statesman“: Nach seiner Kanzlerschaft wird Helmut Schmidt Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“. In vielen Beiträgen und Buchveröffentlichungen macht sich der Bundeskanzler a.D. zum Beispiel für die europäische Einigung stark.

Deutschland nimmt Abschied von einer „politischen Instanz“, von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt. Als Ausdruck höchster Würdigung findet am, Montag 23. November, ein Staatsakt in Hamburg statt. Rund 1800 Gäste erweisen dem fünften Bundeskanzler dabei die letzte Ehre. http://bpaq.de/fb_staatsakt. Der NDR überträgt die Trauerfeierlichkeiten live, ab 10.30 Uhr.

So schreibt die Redaktion der Facebookseite „Bundesregierung“ und veröffentlich einige Bilder aus dem Leben des Altkanzlers.

Ich hatte dort eine leichte Kritik angetäuscht, die umgehend „Kopfschütteln“ der Redaktion auslöste. Den Post habe ich wieder entfernt, denn die FB-Seite der Regierung ist für Diskussionen eher der falsche Platz, wie wir vielfach gesehen haben.

„Ihr seid toll“ – schreibt Lieschen Müller. „Das finden wir toll, dass sie uns toll finden“ antwortet die „Bundesregierung“ usw. usw.

Legende? Das trifft es aber sehr gut und man liest es fast in jedem Nachruf. Der Begriff leitet sich von dem mittelalterlich-lateinischen Ausdruck legenda ab, was so viel bedeutet wie „das, was zu lesen ist“, „das Vorzulesende“ bzw. „die zu lesendenStücke“. Die Herkunft des Begriffs deutet somit – im Unterschied zur Sage – eine enge Beziehung zur literarischen Tradition an. Bereits in der Antike entstanden literarische Erzählungen über Personen, die als überragende religiössittliche Persönlichkeiten und „Heilige“ wahrgenommen wurden.

In der Form der Heiligenlegende zielt die Legende aber überhaupt nicht auf die für sie nur vordergründige historische Wahrheit, sondern auf die Verkündigung einer Glaubenswahrheit. Besonders über „Lichtgestalten“ gibt es besonders viele Legenden. Diese Lichtgestalten werden aber derzeit fast täglich „entzaubert“ – man erkennt, dass vieles tatsächlich nur Legenden waren und weniger Tatsachen.

Angesichts seines Todes sei es zu früh, sich mit der einen oder anderen Schmidtlegende zu befassen. Aber gerade anläßlich seines Todes habe ich mir all die vielen dicken Bücher zu Helmut Schmidt nochmal durchgelesen.

Und siehe da, wie schon bei Egon Bahr – hochinteressant. Vieles liest man nach Jahren mit anderem Verständnis. Als seinerzeit Egon Bahr vom „Unterwerfungsbrief“ schrieb, den Willy Brandt unterschreiben mußte, um überhaupt Bundeskanzler werden zu können, hatte es nicht die Brisanz als gerade eben, da man Xavier Naidoo an die Wand genagelt hat.

Mußte auch Helmut Schmidt die Kanzlerakte unterschreiben? Ich vermute fast, er mußte nicht, denn er war laut seiner Biographie einer der wenigen deutschen Politiker, die nach Bohemian Grove eingeladen wurden. Auch die ZEIT schrieb darüber.

Die Berichte zum „Bohemain Grove“ sind natürlich schon verwirrend ! Freizeitcamp der Macht unter gewaltigen Redwood-Bäumen ! Wo Helmut Schmidt aus Bonn einer Weltmacht den Marschbefehl der Geschichte überbrachte: „Die USA müssen ihrer historischen, ihrer weltpolitischen Verantwortung gerecht werden.“ Solche hohe Politik im Freizeitcamp? Hat aber super geklappt ! Danke nachträglich an Helmut Schmidt!

Die Nudging-Strategen der Bundesregierung schrieben gerade: Kopfschütteln in der Redaktion, weil ich auf diesen wichtigen Teil in den Memoiren von Helmut Schmidt hingewiesen habe ! Man möchte im Angesicht seine Todes nur „stilles Gedenken“. Aber das muss dann bitte für andere Poitiker auch gelten! Dieser Beliebigkeit der dortigen Strategen wird hoffentlich durch #Neuwahlen bald ein Ende gesetzt.

Helmut Schmidt war auf Einladung von George Shultz in Bohemian Grove – die DIE ZEIT lobt: < George Shultz, der Helmut Schmidt eingeladen hatte, lange bevor er zum Außenminister ernannt worden war, ist für den Kanzler der Idealfall eines amerikanischen Politikers: ein Vertreter des alten republikanischen Establishments, welt- und politikerfahren. > Aber was ist das für ein Freizeitcamp, in welchem man eine „Eule“ anbetet und mit „druidischen Ritualen“ Kinderpuppen verbrennt? Ihr könnt doch nicht Xavier Naidoo für völlig richtige FAKTEN an die Wand nageln und „druidische Rituale“ mit beerdigen wollen? Das wird nix!

Schmidt hielt Shultz für den besten Mann der Reagan-Administration, der als Präsident der Bechtel-Corporation (!), eines der größten Bauunternehmen der Welt, wo er in den letzten 18 Monaten 880 000 Dollar verdiente, ehe er für ein Jahresgehalt von 70 000 wieder in die Politik wechselte. Sehr lobenswert von Shultz ! Für Bechtel war der Verlust offenbar nur ein „scheinbarer“, wie die Firmenhistorie zeigt!

Kürzlich kam das Unternehmen in die Kritik für behauptetes Missmanagement des Big Dig Projekts, seine finanziellen Verbindungen zur Bin-Laden-Familie und die Weise, in der es die Irak-Wiederaufbauverträge nach der US-Invasion in den Irak 2003 erhielt. Politiker in den USA und Europa erhoben Korruptionsvorwürfe bezüglich der Beziehungen zwischen der Regierung Bushs und Bechtel. Nanu?

Wenn man es sich wie Schmidt mit dem US-Außenminister im Heißwasserpool bequem macht, kreiert man sicher nicht nur einen neuen Politbegriff:

Hot-Tub Diplomacy – salopp übersetzt: Badezuber-Diplomatie.

Jedenfalls muß es was zu bedeuten haben, wenn man gleich zweimal nach Bohemian Grove eingeladen wird. Der streng abgeschirmte „Treffpunkt“ ist fest in der Hand des internationalen Geldadels. Journalisten sind ausgesperrt, man ist unter sich. Das gilt auch für andere Elemente, die die Herren als störend empfinden: Neger (steht so noch in der ZEIT von 1982), Frauen und eigentlich auch Linke. Aber ein Linker war Schmidt ja nun wirklich nicht!

Hier haben sich ältere Herren ihren Traum vom ungebundenen Leben erfüllt: nahe an der Natur, aber gut versorgt mit Dienstleistungen und ledig der gewohnten Pflichten. In einem besonderen Ritual werden zu Beginn jeder Session symbolisch die Sorgen verbrannt. Diese Rituale nannte Schmidt „druidisch“ und sie haben ihm offenbar ganz gut gefallen. Kirchliche Vertreter sind dort eher nicht zugegen – obwohl – sicher wäre ich mir nicht.

Die ZEIT schrieb:

Der Kanzler selber hatte im Kabinett die Losung ausgegeben: Reist in den Sonnengürtel und nach Kalifornien. Dort freilich ist Europa weit weg, die Bundesrepublik ein Land am Rande des Gesichtsfelds. Es machte schon Sinn, diesem Teil von Amerika die Bundesrepublik näherzubringen und jene Klischees, die eigene Kenntnis ersetzen, ein wenig abzubauen.

Aber mußte das damals mit druidischen Ritualen verbunden sein?

Immerhin soll Schmidt die ritualfreie Zeit genutzt haben und solche Wahrheiten rausgehauen haben wie:

„Frieden kann nicht gegen, sondern nur mit der Sowjetunion erreicht werden.“

Oder vor Historikern von Berkeley:

 „Bitte, schließen Sie die Russen nicht von unserer gemeinsamen Welt aus.“

Lesen sie dazu auch aus dem ZEIT - Archiv

Vier Freunde

Helmut Schmidt, Henry Kissinger, George Shultz und Lee Kuan Yew über ihre Freundschaft, das Alter und das Abschiednehmen
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